Bericht zum Symposium Sportwissenschaft
Am 20. April 2026 fand aus Anlass der Eröffnung der Sportwissenschaft im Fachbereich Gesundheit und Sport der Health and Medical University (HMU) Düsseldorf/Krefeld ein Symposium zum Thema „Moderner Nachwuchssport – Talente Clever Entwickeln“ statt.
Der Einladung zum Symposium folgte ein breites Spektrum von mehr als 70 Wissenschaftlern, Trainer, Ärzten, Athletiktrainer, Physiotherapeuten und Interessierten am Leistungssport und der Sportwissenschaft.
Zu Beginn des Symposiums richteten Ilona Renken-Olthoff (Geschäftsführerin der HMU Düsseldorf/Krefeld) und der Gründungsprodekan des Fachbereichs Gesundheit und Sport, Prof. Dr. Andreas Marlovits, Grußworte an die Gäste. Dabei hoben sie unter anderem den Start des Bachelor- und Masterstudiengangs Sportwissenschaften an der HMU Düsseldorf/Krefeld zum Wintersemester 2026/2027 hervor.
Im Rahmen des wissenschaftlichen Programms referierte zunächst Alex Griesinger vom Spitzenforschungsinstitut IAT Leipzig zu den sportartübergreifenden Ansätzen in der modernen Nachwuchsförderung. Dabei betonte er die komplexe Herangehensweise, die die Berücksichtigung vieler Faktoren erfordert. Dabei wurde auch die so wichtige TrainerInnen-AthletInnen-Beziehung thematisiert. Alex Griesinger hob hervor, dass „das Umfeld einen großen Einfluss auf die Entwicklung junger Sportlerinnen und Sportler, zu deren Qualität Trainingspersonal und Infrastruktur hat, aber auch nachhaltige Prozesse und eine ganzheitliche Talentförderung.“
Auf diesen Fachvortrag folgte ein Podiumsgespräch mit dem Leiter des Nachwuchsleistungszentrums von Borussia Dortmund, Paul Schaffran. Moderiert von Prof. Dr. Andreas Schlumberger von der HMU Düsseldorf/Krefeld, beschrieb Paul Schaffran in vielen Details, wie die Philosophie des Nachwuchstrainings bei Borussia Dortmund aussieht und welche besonderen Maßnahmen zur gezielten Nachwuchsförderung zur Anwendung kommen. Dabei wurde vor allem die Strategie erklärt, wie man die Nachwuchsentwicklung unabhängiger von den Ergebnissen der Nachwuchsteams machen kann und auf welche Weise der unterschiedliche biologische Entwicklungsstand von den Spielern in den Trainingsprozess integriert wird. Für Schaffran steht fest: „Der Satz ‚‘Fußball ist ein Ergebnissport‘ hat im Nachwuchsbereich nichts mehr verloren. Stattdessen diskutieren wir polyperspektiv, welche Förderung für einzelne Spieler individuell sinnvoll ist.“
Im Rahmen des Podiumsgesprächs diskutierten die TeilnehmerInnen bereits ausgiebig wichtige praktische Fragen der Organisation des Nachwuchstrainings- und Wettkampbetriebs mit Paul Schaffran.
Nach einer Pause, in welcher die TeilnehmerInnen einen intensiven Austausch pflegten, folget der zweite Fachvortrag von Prof. Dr. Mathias Kolodziej, Head of Performance und Professor für Trainingswissenschaft an der HMU Düsseldorf/Krefeld. Er legte den Fokus auf die speziellen Bedingungen des Belastungsmanagements im Spannungsfeld zwischen Leistungsförderung und Verletzungsprävention. Dabei betonte er die Bedeutung der Nutzung evidenzbasierter Strategien in Verbindung mit einem objektiven Datenmanagement zur optimalen individuellen Förderung der Nachwuchstalente. Er wies auch auf die gebotene Vorsicht hin, wenn sich AthletInnen in der Phase des Wachstumsschubs befinden. „Der Wachstumsschub verändert Bewegungsmuster innerhalb kurzer Zeit, es gibt vorübergehende Beinlängenunterschiede durch eine asymmetrische Muskel- und Skelettentwicklung. In dieser Zeit gilt es, das Belastungs- und Beanspruchungsprofil im Training sehr regelmäßig und individuell anzupassen“, so der Professor.
Der letzte Teil des Fachprogramms wurde von einem Podiumsgespräch gebildet, bei dem der Moderator Prof. Dr. Mathias Kolodziej den ehemaligen Fußballprof, Top-Talente-Trainer und Nationaltrainer Ghanas, Otto Addo, interviewte. Dabei zeigte Addo auf eindrucksvolle Weise, wie ein hohes Maß an individueller Führung und Coaching der Schlüssel im Rahmen der gezielten Nachwuchsentwicklung ist. Den TeilnehmerInnen konnte er in der begleitenden Diskussion wertvolle Tipps für ihre praktische Arbeit geben. Warum es vorkommt, dass Talente trotz exzellenter Voraussetzungen keine Karriere machen, erklärt Otto Addo so: „Auch bei talentierten Spielern kommt es auf Trainingsfleiß an, auf die Bereitschaft, durchzuhalten, auf Partys zu verzichten, um genug Schlaf zu bekommen, sich vernünftig zu ernähren, Prioritäten zu setzen und zu lernen, mit Rückschlägen adäquat umzugehen. Dieses Mindset bringen nicht alle mit.“
Ein ausgiebiges Networking mit vielen spannenden Gesprächen nach den Vorträgen und den Podiumsgesprächen rundete die gelungene Veranstaltung ab.